Fallstudien

Digitale Souveränität durch Open-Source-Evaluierung ohne US-Infrastruktur

Eine strukturierte Evaluierung und praktische Erprobung selbst hostbarer Open-Source-Lösungen schuf eine belastbare Entscheidungsgrundlage für DSGVO-konforme, langfristig wartbare und souveräne IT-Architekturen.

Branche
Öffentliche Einrichtungen und regulierte Unternehmen
Leistungen
  • Anforderungsanalyse und Bewertungsframework
  • Marktsondierung und technische Due Diligence
  • Proof-of-Concept in souveräner Infrastruktur
  • Entscheidungsunterstützung und Migrationsplanung
Veröffentlicht

Resultate im Überblick

  • Klare Shortlist voll selbst hostbarer Lösungen ohne US-Cloud-Abhängigkeit
  • Nachweis der technischen Betriebsfähigkeit in europäischer Infrastruktur
  • Bewertbare Entscheidungsgrundlage für Governance, Compliance und Betrieb

Kennzahlen

18 Systeme

Evaluierte Lösungen

Kandidaten aus den Bereichen Kollaboration, Wissensmanagement, IAM und Workflow-Orchestrierung.

5 Lösungen

Shortlist

Plattformen, die alle Mindestkriterien zu Hosting, Lizenztransparenz und Datenhoheit erfüllten.

83 %

PoC-Erfolgsquote

Erfolgreiche Kernszenarien in Testumgebungen mit realistischen Integrationsanforderungen.

100 % der Muss-Kriterien

Compliance-Abdeckung

DSGVO-relevante Anforderungen wie Datenlokation, Löschkonzepte und Zugriffsnachweise wurden erfüllt.

Details

1. Ausgangssituation und Motivation

Mehrere Organisationseinheiten standen unter Druck, kritische Fachanwendungen und Wissensplattformen unabhängiger von US-geprägten Cloud-Ökosystemen zu betreiben. Auslöser waren steigende Anforderungen an digitale Souveränität, strengere Datenschutzbewertungen und der Bedarf, zentrale Systeme langfristig ohne proprietäre Abhängigkeiten betreiben zu können.

2. Anforderungen und Bewertungskriterien

Zu Beginn wurde ein verbindlicher Kriterienkatalog mit Muss- und Soll-Kriterien definiert. Muss-Kriterien umfassten vollständige Self-Hosting-Fähigkeit, transparente Open-Source-Lizenzierung, Betrieb in europäischer Infrastruktur, DSGVO-relevante Kontrollmechanismen und nachvollziehbare Community-Aktivität. Soll-Kriterien adressierten Integrationsfähigkeit, Betriebsaufwand, Roadmap-Transparenz und Schulungsaufwand für Fachbereiche.

3. Recherchemethodik

Die Recherche erfolgte mehrstufig und evidenzbasiert:

  • Systematische Marktsondierung über Open-Source-Verzeichnisse, Architekturdokumentationen und Community-Foren
  • Vorauswahl anhand von Lizenzmodellen, Release-Frequenz, Security-Advisories und Maintainer-Struktur
  • Tiefenprüfung mit Architektur-Readouts, Installationspfaden, Betriebsmodellen und Compliance-Nachweisen
  • Konsolidierung der Ergebnisse in einer gewichteten Bewertungsmatrix mit transparenter Begründung je Kriterium

4. Auswahl potenzieller Lösungen

Aus einer Longlist von 18 Lösungen wurden 9 Kandidaten für eine vertiefte technische Bewertung ausgewählt. In dieser Phase wurden versteckte Abhängigkeiten zu US-basierten SaaS-Diensten, Telemetrie-Default-Einstellungen und proprietären Add-ons explizit geprüft. Übrig blieb eine Shortlist von 5 Lösungen, die alle Muss-Kriterien erfüllten und gleichzeitig realistische Einführungsoptionen boten.

5. Proof-of-Concept und praktische Tests

Für die Shortlist wurden reproduzierbare PoC-Umgebungen in einer europäischen, selbst kontrollierten Infrastruktur aufgebaut. Getestet wurden unter anderem Installation und Updates, IAM-Integration, Audit-Logging, Backup/Restore, Mandantenfähigkeit und Lastverhalten unter typischen Nutzungsszenarien. Zusätzlich wurden Betriebsrunbooks erstellt, um den Übergang von der Test- in eine produktionsnahe Betriebsorganisation zu bewerten.

6. Vergleich der Ergebnisse

Der Vergleich zeigte deutliche Unterschiede bei Betriebsreife, Integrationsaufwand und Governance-Fähigkeit. Zwei Lösungen überzeugten durch robuste Dokumentation, stabile Release-Zyklen und klare Security-Prozesse. Drei weitere Lösungen waren technisch geeignet, erforderten jedoch höhere interne Betriebsressourcen oder zusätzliche Anpassungen im Berechtigungs- und Monitoring-Konzept.

7. Technische Herausforderungen

Die größten technischen Hürden lagen in heterogenen Identitätslandschaften, inkonsistenten Schnittstellenstandards und der Migration historisch gewachsener Datenmodelle. Zusätzlich mussten Baselines für Observability, Secret-Management und Patch-Management vereinheitlicht werden, um einen sicheren und skalierbaren Betrieb ohne externe Plattformabhängigkeit sicherzustellen.

8. Organisatorische Herausforderungen

Neben der Technik war die organisatorische Umstellung ein zentraler Erfolgsfaktor. Verantwortlichkeiten für Plattformbetrieb, Security-Freigaben und Lifecycle-Management mussten klar definiert werden. Parallel wurde ein Qualifizierungsprogramm für Betriebsteams und Fachverantwortliche aufgesetzt, damit Entscheidungs- und Betriebsprozesse nicht nur dokumentiert, sondern auch im Alltag tragfähig verankert wurden.

9. Erkenntnisse

Die Evaluierung zeigte, dass digitale Souveränität keine rein technologische Entscheidung ist, sondern ein Zusammenspiel aus Architektur, Governance und Betriebsfähigkeit. Open Source liefert hohe Unabhängigkeit, wenn Lizenzklarheit, Community-Reife und interne Betriebsdisziplin systematisch zusammengeführt werden. Besonders wirksam war die Kombination aus messbaren Kriterien, praktischen PoCs und frühzeitiger Einbindung von Compliance- und Security-Rollen.

10. Empfehlungen

Für Folgeprojekte wurden drei Leitlinien abgeleitet: Erstens sollten Souveränitätsziele in verbindliche Architekturprinzipien übersetzt werden. Zweitens muss jede Tool-Entscheidung durch standardisierte PoC-Nachweise abgesichert werden. Drittens ist ein dauerhaftes Betriebsmodell mit klaren Zuständigkeiten, Budgetierung und Community-Beobachtung erforderlich, um langfristige Wartbarkeit sicherzustellen.

11. Fazit

Die strukturierte Evaluierung ermöglichte belastbare Technologieentscheidungen jenseits von Marketingversprechen einzelner Anbieter. Durch die Verbindung von Kriterienkatalog, Hands-on-Tests und Governance-Bewertung entstand eine belastbare Grundlage für den souveränen Betrieb geschäftskritischer Open-Source-Lösungen. Damit wurde digitale Souveränität praktisch umsetzbar und strategisch planbar.

12. Ausblick

Im nächsten Schritt werden die priorisierten Lösungen stufenweise in produktive Domänen überführt, begleitet von Referenzarchitekturen und standardisierten Betriebsbausteinen. Ziel ist ein wiederholbares Vorgehensmodell, das künftige Beschaffungs- und Modernisierungsvorhaben beschleunigt und gleichzeitig Datenschutz, Compliance und technologische Unabhängigkeit dauerhaft absichert.

Nächster Schritt

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Lassen Sie uns gemeinsam evaluieren, welche Open-Source-Lösungen in Ihrer Organisation technisch, organisatorisch und regulatorisch tragfähig betrieben werden können.

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